Am Vorabend von Christi Himmelfahrt herrschte auf dem Linzer Kaiserberg eine ganz besondere Atmosphäre. Es war das vorgezogene letzte Heimspiel der Rheinlandliga-Saison 2025/26 vom 34. Spieltag, und die Vorzeichen hätten für ein Fußballfest nicht besser sein können. Da sowohl der VfB Linz als auch der Gast vom SV Laubach den Klassenerhalt bereits vorzeitig gesichert hatten und punktgleich in die Partie gingen, stand der Spielverlegung nichts im Wege.

Michael Krupp beendet seine Karriere

Doch hinter dem sportlichen Vergleich verbarg sich eine weitaus bedeutendere Geschichte: Es war das letzte Mal, dass Michael Krupp, das Urgestein des VfB, die Fußballschuhe für die 1. Mannschaft schnürte. Nach beeindruckenden 17 Jahren und unzähligen Schlachten im Trikot mit der Nummer 10 verabschiedete sich „Kruppi“ in den wohlverdienten Ruhestand. Das klare Ziel der Mannschaft war es, ihrer Nummer 10 einen Sieg zum Abschied zu schenken – ein Vorhaben, das nach einer Leistungssteigerung im zweiten Durchgang mit Bravour gelang.

Die Partie begann jedoch zunächst mit einem Schreckmoment für die Hausherren. Bereits in der 4. Spielminute musste VfB-Keeper Tyron Wielpütz sein ganzes Können aufbieten, als er einen gefährlichen Freistoß aus 20 Metern gerade noch über die Latte lenkte. Nur vier Minuten später war jedoch auch er machtlos: Beim Versuch, das Spiel kontrolliert von hinten aufzubauen, unterlief den Linzern ein folgenschwerer Fehlpass durch die Mitte. Laubach schaltete blitzschnell um, spielte Lukas Mey frei, der überlegt zum 0:1 ins lange Eck abschloss.

Zu viele „unforced Errors“

Der VfB wirkte zunächst geschockt und fand nur mühsam ins Spiel. Dennoch gelang in der 15. Minute der zu diesem Zeitpunkt eher schmeichelhafte Ausgleich. Luca Kirschbaum startete nach einem Einwurf auf der rechten Seite ein beherztes Dribbling, setzte sich gegen die drei Abwehrspieler durch und schob den Ball aus spitzem Winkel ein. Manuel Rott hätte im Zentrum ebenfalls bereitgestanden, doch Kirschbaum vollendete selbst. Trotz des Treffers blieb Laubach in der ersten Halbzeit die agilere und lauffreudigere Mannschaft, während Linz mit zahlreichen „unforced Errors“ und einem zu langsamen Spielaufbau kämpfte. Dass es mit einem 1:1 in die Kabinen ging, verdankte der VfB auch Armin Siljkovic, der in der 40. Minute nach einem weiteren Ballverlust im Mittelfeld mit einer starken Rettungsaktion den erneuten Rückstand verhinderte.

Nach dem Seitenwechsel präsentierte sich der VfB Linz wie verwandelt. Die Mannschaft wirkte entschlossener, dem scheidenden Michael Krupp den gewünschten Sieg zu bereiten. In der 49. Minute folgte der erste perfekt vorgetragene Angriff: Mit Übersicht kombinierten sich die Linzer über zwei Stationen bis zu Fabio Schopp, der den Ball nur noch ins leere Tor einschieben musste – die 2:1-Führung. Linz drückte nun weiter. Nur wenige Minuten später prüfte Schopp den Keeper erneut aus 18 Metern, bevor Linus Tücke in der 55. Minute für die Vorentscheidung sorgte. Nach einem Ballverlust der Laubacher schaltete Tücke am schnellsten und hob den Ball technisch versiert über den herausstürmenden Torwart zum 3:1 in die Maschen.

Ein Tor blieb „Kruppi“ versagt

Im Mittelpunkt der Schlussphase stand immer wieder Michael Krupp. Die gesamte Mannschaft suchte die Nummer 10, um ihm den krönenden Abschluss in Form eines eigenen Tores zu ermöglichen. Und Krupp war nah dran: Einmal wurde sein Fernschuss von Manuel Rott abgefälscht, blieb aber Beute des Keepers. In der 58. Minute scheiterte er mit einem wuchtigen Volleyschuss aus 16 Metern am glänzend reagierenden Gästetorwart Manuel Kees, und kurz darauf strich ein weiterer gefährlicher Schuss von ihm knapp am langen Pfosten vorbei.

Obwohl Laubach in der 63. per Kopf und in der 85. Minute durch einen Distanzschuss, den Tyron Wielpütz sicher parierte, noch einmal Lebenszeichen von sich gab, geriet der Sieg nicht mehr in Gefahr. Auch wenn Michael Krupp ein eigenes Tor verwehrt blieb, wurde er bei seinem Abgang nach 17 Jahren Vereinstreue von den Fans und Mitspielern gefeiert. Mit diesem 3:1-Sieg verabschiedet sich eine Legende gebührend vom Kaiserberg. Der VfB Linz bedankt sich bei seiner Nummer 10 für fast zwei Jahrzehnte voller Leidenschaft und Einsatz!

Verabschiedet wurden an diesem Abend auch noch Arben Sejdija, Oliver Kubatta und Justin Kirschbaum, die den VfB Linz verlassen. Das letzte Spiel bestreitet die Kaiserbergelf am kommenden Samstag, 16. Mai, um 17:30 Uhr bei der SG 2000 Mülheim-Kärlich.

Linz: Wielpütz – Sahlan, Klein, Siljkovic, Rauschenberger – Becker, Krupp (82. Juniku), Sejdija (53. Kubatta), Schopp (88. Owczarak) – Kirschbaum (64. Kill), Rott (53. Tücke).

Laubach: Kees – Krenn, Johann, Münnich, Fritz (65. Schmitt) – Michels, Jo. Gorges (65. Conrad), Jordan (69. Keller), Christof (82. Gerhartz) – Hanke (69. Göbel), Mey.

Schiedsrichter: Pascal Wagener (Wallmenroth).

Zuschauer: 160.

Tore: 0:1 Lukas Mey (7.), 1:1 Luca Kirschbaum (15.), 2:1 Fabio Schopp (48.), 3:1 Linus Tücke (55.).

Fotos der Partie

©Max Jäger / @maxjaeger.media